Die Lage in Indien durch die COVID-19 ist sehr  schlecht.
Die tägliche, durchschnittliche Sterberate in Indien – also alle Tode, nicht nur Corona Bedingte –  ist in Deutschland niedriger.

In seiner Kolumne ,,Auch der Demokratie wird die Luft genommen“ (erschienen in der Zeit, 4.5.2021) von Theo Sommer, weist der Autor auf die missliche Lage Indiens hin, welche mehr Aufmerksamkeit verdient, als ihr bisher zukommt. Zuerst berichtet der Autor von den vielen Corona Fällen – die Zahlen sind erschreckend: zuletzt täglich 400.000 neu infizierte und bald 4.000 Tote.  Zum Vergleich: die tägliche, durchschnittliche Sterberate – also alle Tode, nicht nur Corona Bedingte –  in Deutschland ist niedriger. Ich teile die Ansichten Sommers bis in alle Einzelheiten, denn diese sind auch überzeugend.

Die Lage Indiens ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass das Land die erste Corona-Welle ganz gut überstanden hat. Zu dem Zeitpunkt wurde schnell ein harter – doch effektiver – Lockdown verhängt und später lief bereits ein Impfprogramm an. Was also ist geschehen, dass sich das Blatt so drastisch gewendet hat? Die Antwort findet sich wie so oft in der Politik. Der indische Premierminister Naredra Modi empfand es scheinbar als richtig so zu tun, als hätte sich das Corona Virus einfach in Staub aufgelöst. Nach dem ersten Lockdown wurden jede Menge Lockerungen verkündet, Menschen traten ihren Alltag normal an und auch Zusammentreffen vieler Menschen wurden nicht eingeschränkt. Um jeden Preis schien man sich die Stimmen für einen bevorstehenden Wahlkampf sichern zu wollen, wichtiger war einem das als das Wohl der Bevölkerung. Und wäre es für jene nicht so furchtbar, könnte man diese darauf folgende ,,Uno-Reverse-Card“* gegen den Minister fast belächeln.

Es ist jedoch furchtbar und die Regierung Indiens zu betrachten und festzustellen, wie wenig Macht (ich würde fast auch Bedeutung sagen) das Volk in dieser hat, macht es nur schlimmer. Neben all den Problemen durch Corona, verliert Indien also auch noch seine Demokratie. Theo Sommer brachte hier den Vergleich zu Amerika dar, die durch Donald Trump ausgeführte; ,,autoritäre Herrschaft, gebilligt von Wählern“. Nun wir können wohl alle bezeugen, wohin das geführt hat.

Viel mehr noch zu Herzen geht einem aktuell aber das Leid der Menschen in Indien, das inzwischen kaum noch zu mildern ist. Viele Menschen sterben, Krankenhäuser sind überfüllt und nur 2% der Bevölkerung sind bisher vollständig geimpft. Und wenn einen das nicht genügend überzeugt, sich um Indien zu sorgen: 62 Prozent aller Vakzinen* und 20 Prozent aller generischen Arzneimittel werden in Indien produziert. Die Bundeskanzlerin äußerte bereits die Sorge, dass von dort womöglich keine Arzneimittel mehr zu uns kommen könnten, was verheerende Folgen für die Pharmaindustrie hätte und letztlich natürlich für uns alle.

Wir sollten uns unbedingt dazu durchringen diesem besonderen Land zu helfen, in erster Linie nicht um der möglichen Folgen für uns, sondern natürlich um der Menschen willen, die dort leben und nun in diesen argen Schwierigkeiten stecken. Theo Sommer schrieb in seiner Kolumne ,,Nicht nur die Menschlichkeit gebietet, dass wir Hilfe leisten, so gut es geht.“ Doch ich möchte darauf hinweisen, dass allein in diesen Worten auch steckt, dass wir allein um der Menschlichkeit willen bereits helfen müssen.

(*wird als metaphorischer Begriff für ein Comeback oder eine karmische Veränderung von Ereignissen verwendet)

(**Impfstoffe)

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